Kontakt
Abteilung für Rhythmologie
in Kooperation mit dem Alfried Krupp Krankenhaus Rüttenscheid
Telefon: 0201 434-4550

Abteilungsärztin
Dr. med. Anja Dorszewski
Fachärztin für Innere Medizin/Kardiologie

Stellv. Abteilungsärztin
Dr. med. Carolin Berndt
Fachärztin für Innere Medizin/Kardiologie/ Intensivmedizin
Rhythmologie

Seit dem 1. Juli 2008 besteht die Abteilung für Rhythmologie (Leitende Ärztinnen: Dr. Anja Dorszewski und Dr. Caroline Berndt ) als Kooperation zwischen der Klinik für Kardiologie der Kliniken Essen Süd und dem Alfried Krupp Krankenhaus Rüttenscheid.
Das menschliche Herz schlägt etwa 100.000 Mal am Tag, und gelegentlich kommt es dabei aus dem Takt. Herzrhythmusstörungen sind Unregelmäßigkeiten des normalen Herzschlages, bei denen das Herz zu schnell, zu langsam und/ oder zu unregelmäßig schlägt. Manche Herzrhythmusstörungen sind völlig harmlos, andere können lebensbedrohlich sein.
Ursache für Herzrhythmusstörungen können Herzerkrankungen, angeborene oder erworbene Erkrankungen des herzeigenen Erregungsleitungssystems, Schilddrüsenerkrankungen, Bluthochdruck, Nebenwirkungen von Medikamenten und vieles Andere sein.
Daher müssen Herzrhythmusstörungen von Spezialisten untersucht und behandelt werden. Die hochspezialisierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilung für Rhythmologie sind in der Lage, die Art von Herzrhythmusstörungen festzustellen, den Grad der Bedrohlichkeit zu bestimmen und diese zu behandeln.
Therapiert werden Herzrhythmusstörungen mit Medikamenten oder aber heute in zunehmenden Maß mit elektrotherapeutischen Maßnahmen („ Verödung“ der Herzrhythmusstörung, sogenannte Katheterablation). Sehr viele Herzrhythmusstörungen lassen sich heutzutage heilend („kurativ“) behandeln.
Modernste Technik für Diagnostik und Therapie
Die Abteilung Rhythmologie bietet das gesamte Spektrum der Diagnostik und Behandlung von allen Herzrhythmusstörungen an. Für die Diagnostik und Therapie der Herzrhythmusstörungen stehen EKG, Langzeit-EKG, Belastungs-EKG, Spiroergometrie, Event-recorder, alle Schrittmacher/Defibrillatoren-Abfragegeräte und die Untersuchungen des Reizleitungssystems des Herzens (mittels elektrophysiologischen Katheteruntersuchungen) sowie alle Therapieformen zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen (z.B. medikamentöse Therapie, Implantation von Schrittmachern und Spezialschrittmachern (sogenannte Defibrillatoren oder sogenannte biventrikuläre Systeme) und die „Verödung“ von Herzrhythmusstörungen (mittels der Katheterablation) zur Verfügung.
Dem speziell und langjährig ausgebildeten Team aus Spezialisten steht die zur Zeit modernste Technik weltweit vor Ort zur Verfügung.
Zusätzlich zu einer normalen Untersuchungs- und Behandlungseinheit für Herzrhythmusstörungen gibt es hier die Möglichkeit der bewegbaren 3-D-Rekonstruktion des Herzens mittels eines Navigationssystems, mit dem das Innere des Herzens wie auf einer Landkarte abgebildet werden kann (sogenanntes CARTO-System). Aufgrund dieses Systems kann die Strahlenbelastung auf ein Minimum reduziert werden. Desweiteren wird während der Untersuchung über die gesamte Zeit mit einer Ultraschallsonde, die im Herzen liegt, das Herz von innen beobachtet. Ein vorher angefertigtes Schichtbild Ihres Herzens (Computertomographie oder Magnetresonanztomographie) kann über modernste Computertechnik ebenfalls in diese Anlage eingespielt werden und ergänzt so die während der Untersuchung gemachten Bilder des Herzens.
Jede Behandlungsentscheidung stimmen wir mit Ihnen und Ihrem Hausarzt ab.
Wir richten uns dabei in Diagnose und Therapie nach den nationalen Richtlinien der DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie), der ESC (European Society of Cardiology) und deren amerikanischen Partnern. Bei aller Orientierung an den qualitätssichernden Richtlinien, stehen Sie als Patient mit Ihrer Individualität im Mittelpunkt unserer Arbeit. Zusätzlich arbeiten wir aber qualitätssichernd und wissenschaftlich, d.h. wir dokumentieren in einer Datenbank Diagnose, Behandlung, Behandlungserfolg und Komplikationen.
Wir führen innovative Behandlungen durch. Dies können neue technische Produkte sein, die die Industrie anbietet, oder neue Behandlungsmethoden, die wir selbst entwickelt haben. In jedem Fall werden wir Sie über alle Maßnahmen aufklären und Sie, wenn erforderlich, versichern. Über die Routineaufklärung hinaus, holen wir Ihr schriftliches Einverständnis ein.
Bei neuen Therapieformen, die von uns initiiert wurden, betreuen wir Sie besonders intensiv. Der Therapieverlauf wird in diesem Fall genau verfolgt, weit über die übliche Routine hinaus.
Nach einer erfolgreichen Kathetertherapie werden die Patienten im Krankenhaus an Monitoren überwacht, können aber trotz der technisch sehr aufwendigen Untersuchung schon innerhalb der nächsten Tage (zum Teil schon am Folgetag) nach Hause gehen.
Sehr viele Herzrhythmusstörungen können auf diese Weise für immer beseitigt werden, eine Einnahme von Tabletten ist in vielen Fällen nicht mehr nötig.
Von uns behandelte Krankheitsbilder/Herzrhythmusstörungen:
Präexitation/WPW-Syndrom
Zusätzliche Leitungsbahn zwischen Vorkammer und Hauptkammer Verödung mit einer Erfolgsaussicht von über 98 Prozent möglich.
AV-Knoten-Tachykardien (AVNRT)
Durch Modulation/Verödung im Bereich des langsamen Leitungsweges kann bei etwa 98 Prozent der Patienten das weitere Auftreten von Herzrasen verhindert werden.
Atriale Tachykardien (Herzrasen aus der Vorkammer, „ektope atriale Tachykardien“)
Durch punktgenaue Ablation des Vorhofgewebes, aus dem das Herzrasen entspringt, kann mit einer Erfolgsaussicht zwischen 50 bis 90 Prozent dieses verödet werden.
Typisches Vorhofflattern
Ausgelöst wird das Vorhofflattern durch eine kreisende Erregung in der rechten Vorkammer des Herzens. Durch gezieltes Veröden entlang einer Region zwischen der rechten Herzklappe (Trikuspidalklappe) und der unteren Hohlvene kann bei etwa 95 Prozent der Patienten das weitere Auftreten dieser Form des Vorhofflatterns verhindert werden.
Anfallartiges oder permanentes Vorhofflimmern
Hier bestehen üblicherweise zahlreiche kreisende Erregungen in den Vorhöfen, die zu einer schnellen und unregelmäßigen elektrischen Erregung führen. Von großer Bedeutung für die Entstehung des Vorhofflimmerns sind die Lungenvenen. Dabei handelt es sich um die Blutgefäße, die das sauerstoffbeladene Blut von den Lungen in den linken Vorhof führen. Das Prinzip der Katheterablation von Vorhofflimmern besteht in einer elektrischen Isolierung der Lungenvenen vom linken Vorhof, wobei es mehrere Vorgehensweisen gibt. Es gelingt bei den meisten Patienten, durch den Eingriff eine elektrische Isolierung der Lungenvenen zu erreichen. Jedoch können sich die elektrischen Verbindungen zwischen den Lungenvenen und dem linken Vorhof teilweise wieder ausbilden, sodass bei 30 bis 50 Prozent der Patienten Vorhofflimmern im Verlauf nach einer Katheterablation erneut auftritt und evt. eine zweite oder dritte Ablation erforderlich wird.
Kammertachykardien
Hier liegt der Ursprung des Herzrasens meistens im Bereich der linken Hauptkammer des Herzens. In den meisten Fällen tritt das Herzrasen bei Patienten mit Herzerkrankungen auf. Da hier oft eine lebensbedrohliche Situation entstehen kann, steht heute in diesem Fall die Implantation eines automatischen Defibrillators ( ICD, s.u.) im Vordergrund. Zusätzliche Verödungen im erkrankten Bereich können in ausgesuchten Fällen für eine deutliche Besserung der Symptome sorgen.
Kammertachykardien bei Herzgesunden lassen sich dagegen durch eine Katheterablation häufig sehr gut behandeln und auf Dauer beseitigen.
Untersuchungen und Therapien:
Elektrophysiologische Untersuchung (EPU)
Die Untersuchung besteht aus einer direkten Aufnahme und Messung von elektrischen Signalen und die Abgabe elektrischer Stimulationsimpulse im Herzen. Dies dient der Klärung des Mechanismus und der Wertigkeit von Herzrhythmusstörungen als Voraussetzung einer sinnvollen Behandlung z.B. durch Medikamente, eine Katheterablation ( s.u.) oder die Implantation eines Schrittmachers, Defibrillators (ICD) oder eines biventrikulären Systems (CRT). Im Vordergrund stehen die tachykarden Herzrhythmusstörungen wie Herzrasen und Herzstolpern. Aber auch Schwindel und Bewusstlosigkeiten können durch Herzrhythmusstörungen verursacht und durch eine elektrophysiologische Untersuchung abgeklärt werden.
Katheterablation
Das Ziel einer Katheterablation ist die dauerhafte Beseitigung von Herzrhythmusstörungen durch eine gezielte Verödung des hierfür verantwortlichen Herzmuskelgewebes. Sie wird meistens direkt im Anschluss an eine Elektrophysiologische Untersuchung (EPU) durchgeführt, wenn hierbei eine Herzrhythmusstörung nachweisbar ist, die mit Hilfe dieser Methode behandelt werden kann.
Durch die Anwendung von Hochfrequenzstrom (Frequenz: 500 kHz, Leistung: 10–100 Watt, Dauer der Anwendung: 30–120 Sek.) kommt es zur Erwärmung des Herzmuskelgewebes auf ca. 55–65 Grad Celsius, wodurch eine Verödung mit anschließender Bildung einer kleinen Narbe (ca. 2–3 mm Durchmesser) erzielt wird.
Implantation eines Defibrillators (ICD)
Ein implantierbarer Defibrillator (ICD) ist ein schrittmacherähnliches Gerät, das zusätzlich zu all seinen oben genannten Funktionen als Schrittmacher zur automatischen Behandlung von bösartigen, d.h. lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen in der Lage ist. Daher ist er erforderlich bei hohem Risiko für lebensbedrohliche Rhythmusstörungen aus einer der beiden Hauptkammern des Herzens. Ziel ist die Verhinderung des plötzlichen Herztodes durch Erkennung und Behandlung dieser bösartigen Rhythmusstörungen. Der „Diagnostikteil“ des Gerätes ist in der Lage, alle technischen Auffälligkeiten des Gerätes sowie alle Herzrhythmusstörungen zu erkennen und aufzuzeichnen, damit sie vom Arzt ausgelesen und gegebenenfalls behandelt werden können.
Implantation von biventrikulären Systemen (CRT Systeme)
Für Patienten mit schwerer Leistungsschwäche des Herzmuskels (Herzinsuffizienz) wurde in den letzten Jahren eine revolutionäre Therapie entwickelt. Die Implantation eines solchen Systems kann vielen Menschen helfen, ihr Leben wieder aktiv aufzunehmen. Einigen Patienten, die für eine Herztransplantation vorgesehen waren, konnte dieser Weg hierdurch erspart werden. Diese Therapieform nennt sich Cardiale Resynchronisations Therapie (CRT). Sie bewirkt eine Wiederherstellung der natürlichen Herzerregung durch zeitoptimierte, koordinierte Abgabe von Elektroimpulsen an unterschiedlichen Stellen des Herzens (Resynchronisation). Wissenschaftliche Untersuchungen haben nachgewiesen, dass diese Therapieform, neben der Lebensqualitätverbesserung auch die Wiederaufnahme in Krankenhäuser und die an sich hohe Sterblichkeit der Patienten, drastisch reduziert. Die biventrikulären Systeme sind in Schrittmacher oder ICDs integriert, die Implantation erfolgt, wie bei den Schrittmachern, mit Anlage einer zusätzlichen Herzsonde.
Implantation von Herzschrittmachern
Herzschrittmacher werden zur Behandlung bradykarder (langsamer) Herzrhythmusstörungen eingesetzt. Wir implantieren in unserer Klinik nur Hochleistungsprodukte, die nicht nur herzanregende Elektroimpulse abgeben, sondern darüber hinaus, durch intelligente Technik, sich an die Tagesaktivitäten und auch an Emotionen anpassen (z.B. Sport/Nachtruhe etc.). Desweiteren besteht oft die Möglichkeit der Fernabfrage. Damit können die Nachkontrollen in der Klinik auf ein verträgliches Maß reduziert werden, weil ein telemetrisches System die routinemäßige Fernabfrage und die ambulante Nachsorge ermöglicht. Eine sogenannte Monitoring-Box sorgt dafür, dass der behandelnde Arzt an seinem Computer bei Bedarf die Daten des Schrittmachers einsehen kann. Der Schrittmacher überträgt die Daten normalerweise einmal in der Nacht – und zwar, ohne dass der Patient etwas davon merkt. Die aufgezeichneten und in Berichtsform aufbereiteten Informationen kann der Arzt rund um die Uhr abrufen.
Technische Auffälligkeiten des Gerätes oder aber Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Patienten können mit diesem System in aller Regel wesentlich früher erkannt und damit behandelt werden. Desweiteren besitzen die hochmodernen Systeme die Fähigkeit, sich kontinuierlich und automatisch dem sich ändernden Stimulationsbedarf anzupassen. Das heißt, das Gerät misst permanent das Geschehen in den Herzkammern und konfiguriert sich bei Veränderungen sofort neu.